| Kiesabbau am Rodgau-See |
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CHRONIK: 1976 wurde der Tagebau am Baggersee Nieder-Roden erstmals genehmigt. 1977 begann die offizielle Freizeitnutzung, das Strandbad wurde eröffnet. 1989 genehmigte das Regierungspräsidium eine Erweiterung des Kiesabbaus. 1992 erhielt das Kieswerk eine Betriebsstraße mit Anschluss an die Kreisquerverbindung. AKTUELLE SITUATION: Die aktuelle Größe des Sees ist 26,4 ha. Betreiber des Kieswerks ist die Firma Kaspar Weiss GmbH & Co. KG (Goldbach). Produziert werden unter anderem Quarzsand, Kiessand, Grubenkies und Schwemmsand in unterschiedlichen Körnungen. Bis zu 500.000 Tonnen Sand und Kies pro Jahr werden mit einem Schwimmgreifer ausgebaggert und für die Bauindustrie aufbereitet. Im Jahr 2008 wurden 250.000 Tonnen Kies und Quarzsand abgebaut. Am Kieswerk hängen ca. 15 Arbeitsplätze und etwa 250 weitere an Zulieferern. Der bisher genehmigte Tagebau sichert den Betrieb nach Angaben des Unternehmens noch für sechs bis acht Jahre, bei einer geschätzten Fördermenge von 500.000 Tonnen jährlich. Dem Kiesabbau verdankt Rodgau ein Freizeitgebiet von überregionalem Ruf. Der Kiessee glänzt mit einer ausgezeichneten Wasserqualität, wie die regelmäßigen Messungen ergeben. Zum Freizeitwert des Sees gehören neben saftigen Wiesen und schönem Strand auch ein Wasserspielplatz, Beachvolleyballfelder und eine schwimmende Insel. Diese Ausstattungsdetails entstanden in den Jahren 2000/2001 auf Kosten des Umlandverbandes Frankfurt zur Amtszeit von Bürgermeister Thomas Przibilla (SPD). PLANUNGEN: Die Firma Kaspar Weiss GmbH & Co. KG (Goldbach) will den Abbau um 23,69 Hektar ausdehnen. Mit den 6,8 Millionen Kubikmetern Gestein in der Erweiterungsfläche könnte das Kieswerk dann etwa zusätzliche 40 Jahre arbeiten, je nach Baukonjunktur. Um die Vorräte auszuschöpfen, soll bis zu 37 Meter tief gebaggert werden. Den Waldverlust von 11,5 Hektar will das Unternehmen durch Aufforstungen ausgleichen. Auf gefährdete Tierarten wie Flussregenpfeifer, Steinschmätzer, Zauneidechse und Kreuzkröte soll Rücksicht genommen werden. Rodgauer Politiker haben Bedenken, betonen den Naherholungswert und wollen sich nicht auf Jahrzehnte hinaus festlegen. "Wir wollen in den nächsten Jahren komplett um unseren See laufen können", sind sich SPD-Fraktionsvorsitzender Jürgen Kaiser und Parteikollege Günter Lachmund vom Ortsbeirat Nieder-Roden einig. Eine Notwendigkeit, das Abbaugebiet großflächig zu erweitern, sei nicht gegeben. |
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Der weitere Kiesabbau am Rodgau-See ist ein strittiges Thema. Gegenwärtig gibt es drei Vorschläge: Erstens den Plan der Brüder Peter und Martin Weiss, die auf der gesamten Fläche vom jetzigen See bis zum Heusenstammer Weg und zur Kreisquerverbindung abbauen wollen - das wären knapp 24 Hektar, unterteilt in drei Abschnitte. Zweitens den Plan des Magistrats, der das Wachstum des Rodgau-Sees bremsen will. Er schlägt vor, die Erweiterung des Tagebaus auf zwei Teilflächen zu beschränken. Es sollte ausschließlich das Gebiet rechter Hand der Betriebsstraße und nördlich des Kiessees freigegeben werden, also zunächst die beiden rot umrandeten Dreiecksflächen. Die Erweiterungsfläche liegt nördlich und nordwestlich des Sees. Das Stadtparlament hatte diese Richtung im Jahr 1999 vorgegeben. Eine Ausdehnung nach Westen in den Wald hinein hatten die Stadtverordneten abgelehnt. Drittens den Antrag der Kooperation aus SPD, Grünen, FDP und FWG, wonach nur Gebiet zwei und drei - alles linker Hand der Betriebsstraße und der Kreisquerverbindung - erschlossen werden sollen. Allerdings unter der Voraussetzung, dass der Wald am Heusenstammer Weg und die Betriebsstraße erhalten bleiben, die heutige Betriebsstätte verlagert wird, Teile des jetzigen Sees wieder aufgefüllt werden und es eine Landzunge zwischen Badesee und Abbaugrube gibt. Eine natürliche Grenze zwischen aktuellem See und neuer Anlage sei wichtig, damit die Rekultivierung des alten Abbaugebiets unabhängig vom neuen geschehen kann. So wäre es möglich, den Badesee zu rekultivieren und den Bürgern ohne Einschränkungen als Naherholungsgebiet und Freizeitfläche zur Verfügung zu stellen. Daneben würde ein zweiter See ausgebaggert. Die Stadt Rodgau ist nicht Herrin des Verfahrens. Sie kann lediglich eine Stellungnahme an das Regierungspräsidium Darmstadt abgeben, hat dies jedoch wegen Uneinigkeit versäumt. Nun bleibt nur noch die Möglichkeit, im Rahmen des Regionalplans und des Regionalen Flächennutzungsplans Einfluss zu nehmen. "Es bestehen zwar keine grundsätzlichen Bedenken gegen die Erweiterung der Auskiesung, allerdings gegen die geplante Größenordnung", schreibt der Magistrat. Zur Kreisquerverbindung sei ein Abstand von 50 Metern notwendig, um die parallel verlaufenden Feldwege zu erhalten. Die Sicherheit und Leichtigkeit des Verkehrs auf der Kreisstraße dürfe nicht beeinträchtigt werden. Zudem fordert der Magistrat, die Belange der Freizeit und Naherholung im so genannten Wiedernutzbarmachungskonzept stärker zu berücksichtigen. Dieser Teil der Planung legt fest, was nach dem Ende des Abbaus aus dem See wird. Für einen See-Rundweg, den die Stadt eines Tages anlegen will, ist in diesem Plan bisher kein Raum. Das Konzept der Firma Weiss sieht geradlinige Steilufer hinter den drei Meter hohen Schutzwällen vor. Der Magistrat hingegen wünscht sich eine geschwungene Uferlinie mit Ausbuchtungen und Halbinseln sowie eine Wegeführung, die den Blick auf den See ermöglicht. |